Inhalt:
(1) EU-Verkehrsminister beschließen Totalliberalisierung der Bahn
(2) Die guernica 7/2005 ist erschienen.
(3) Aktionskonferenz: Aufruf zur Unterstützung!
(4) Termine
(1) EU-Verkehrsminister beschließen Totalliberalisierung der Bahn
Am 5. Dezember beschloss der
EU-Verkehrsministerrat das sog. „3. Eisenbahnpaket“. Nach dem 1. und 2.
Eisenbahnpaket, das die Liberalisierung des Gütertransports auf der Schiene
vorantreibt, soll nun auch der Personenverkehr auf der Schiene nach den Regeln
des Wettbewerbs organisiert werden: d. h. bis 2010 sollen die EU-Staaten ihre
Märkte für den internationalen Schienen-Personenverkehr für ausländische
Anbieter öffnen, ab dem Jahr 2012 soll auch der natioanle Schienenverkehr
liberalisiert werden. Jetzt fehlt nur mehr die Zustimmung des Europäischen
Parlaments, um diese Richtlinie verbindlich zu machen.
ETF fordert freie Entscheidung jedes Mitgliedslandes
Dadurch werde es nicht nur zum weiteren Abbau der Beschäftigung und der
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen kommen, die Bahnunternehmen in den
kleinen und neuen EU-Staaten könnten dadurch in ihrer Existenz gefährdet werden.
Die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF), die 3 Millionen Mitglieder
repräsentiert, fordert daher die Rücknahme dieser Liberalisierungsvorgabe und
die freie Entscheidungsbefugnis für jeden Mitgliedstaate, wie er den
Eisenbahnverkehr organisieren will. Außerdem verlangt die ERT die Auswertung der
Lage der Verkehrssysteme in Europa nach mehr als 10 Jahren Liberalisierung. Denn
entgegen den Versprechungen des Vertreters des freien Marktes hat die
Liberalisierung nicht zur Verbesserung der Konkurrenzsituation der Schiene im
Vergleich mit dem umweltfeindlichen LKW-Verkehr geführt. Im Gegenteil: Von 1990
bis 2001 ist der Anteil der Schiene am gesamten Güterverkehr von 18 auf 13
gesunken, der Straßengüterverkehr im selben Zeitraum von 69 auf über 75%
angestiegen.
„Zerstörung des kooperativen
Modells“
Auch die österreichische Bundes-Arbeiterkammer lehnt die EU-Liberalisierung ab
und weist auf die negativen Folgen für die BahnkundInnen hin: „Der Wettbewerb
auf der Schiene würde die bestehenden kooperativen Modelle zerstören und mit
ihnen auch das vorhandene Wachstumspotential ... Einige wenige große
Systemanbieter werden übrig bleiben.“ Diese werden sich um einige wenige
hochprofitable Streckenverbindungen rangeln, die unrentablen
Regionalverbindungen werden der öffentlichen Hand überlassen oder eingestellt.
„Wir haben im Personenverkehr mehr als 80 Prozent gemeinwirtschaftliche
Leistungen“, warnt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Eisenbahner Wilhelm
Haberzettl, „wir können nicht akzeptieren, dass ein paar Abgeordnete in Brüssel
jenen Verkehr gefährden, mit dem Millionen Pendler täglich in die Arbeit und
nach Hause kommen.“
Bahnliberalisierung wirft auch in Österreich ihre Schatten voraus
Mit der Liberalisierung des Bahnmarktes droht sich nun auch in diesem Bereich zu
wiederholen, was derzeit bei der Post in Vorbereitung der Liberalisierung des
EU-Postmarktes abläuft: die Post hat seit 2000 ein Fünftel der Bediensteten
„abgebaut“ und fast die Hälfte aller Postämter geschlossen. Bei der Bahn will
die Regierung 10.000 ÖBB´ler „privatisieren“ und die Stilllegung „unrentabler“
Strecken durchziehen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Eisenbahner in
Salzburg Walter Androschin erklärt im guernica-Interview zu diesen Plänen der
Regierung: „ Weder die Regierung noch das ÖBB-Management können sagen, wo die
10.000 Eisenbahner abgebaut werden sollen. Denn die Arbeit ist ja vorhanden,
niemand ist überzählig. Worum es ihnen in Wirklichkeit geht, ist, den gesamten
Ober- und Hochbau - Bau von Schienen und Gebäude - auszulagern, d. h. zu
privatisieren. Dasselbe Personal soll dann bei den Privaten billiger
weiterarbeiten.“
Neoliberale EU-Zwangsjacke ablegen!
Nach der Liberalisierung der Bahn- und Postmärkte droht die Liberalisierung des
Straßenbahn- und Busverkehrs, auch Pläne zur generellen Liberalisierung aller
öffentlichen Dienste einschließlich Bildung, Gesundheit und Wasser liegen
bereits in den Schubladen der EU-Kommission. Es ist an der Zeit, die neoliberale
EU-Zwangsjacke abzulegen. Darüber soll bei der Aktionskonferenz „Nein zum EUropa
der Konzerne und Generäle“ am 4. Februar in Linz beraten werden.
Ausführliche Informationen zur geplanten
Liberalisierung im Eisenbahn und Öffentlichen Personennahverkehr finden sich in
der aktuellen guernica. Dort findet sich auch ein Interview mit
dem GdE-Vorsitzenden in Salzburg Walter Androschin.
Ein Probeexemplar schicken wir gerne gratis
zu. Mailto: office@werkstatt.or.at
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Nein zum Europa der Konzerne und Generäle!
Für ein neutrales, solidarisches und weltoffenes Österreich!
Aktionskonferenz - 04. Februar 2006, Linz, VH-Ebelsberg