95 Thesen

für einen ÖGB NEU

1

Ein Neubeginn im ÖGB ist notwendig

2

Eine Neuorientierung ist für den ÖGB die Lebens- und Zukunftsfrage

3

Ohne radikale Reformen kommt der ÖGB nicht aus der Krise

4

Dafür ist es notwendig die Ursachen der Krise tabulos zu analysieren

5

Die Gewerkschaftsbewegung darf nicht von außen regiert werden, sie muss unabhängig und überparteilich werden

6

Ohne Demokratisierung und ohne einen ernsthaften Reinigungsprozess ist eine Entwicklung zu einer konsequenten Interessensvertretung für die Lohnabhängigen nicht zu erreichen

7

Die traditionelle Stellvertreterpolitik ist zu überwinden: Selbstermächtigung und Eigeninitiative müssen entwickelt werden

8

Die Gewerkschaft darf sich nicht als reine Serviceorganisation sehen, sondern hat gesellschaftspolitische Aufgaben zu erfüllen

9

Der ÖGB als Kraft der ArbeiterInnenbewegung muss sich darauf besinnen, für wen er eigentlich da ist

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Der ÖGB muss zu einer demokratischen und kämpferischen Organisation werden, in der nicht eine Handvoll Spitzenfunktionäre (und die männliche Form ist hier durchaus angebracht!), sondern alle Mitglieder das Sagen haben

11

Der ÖGB muss zur mobilisierenden Kraft für eine gesellschaftspolitische Alternative werden

12

Die Stärke der Gewerkschaft muss vor allem in ihrer Entschlossenheit, Solidarität und durch die Einbeziehung der Mitglieder zum Ausdruck kommen

13

Die Gewinnung und Betreuung der Mitglieder muss eine zentrale Aufgabe der Gewerkschaften sein

14

Lohnkampf ist wesentlichster Bereiche bei der Verteilung der geschaffenen Werte

15

Offensive Lohnpolitik ist daher ein Mittel zu einer gerechteren Verteilung des gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtums

16

Transparenz im Lohnkampf erhöht die Kampfkraft der Beschäftigten

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Ein Hauptaugenmerk der Gewerkschaft muss der Kampf gegen weitere Prekarisierung, gegen Aushöhlung des Arbeitsrechts und für Normalarbeitsverhältnisse sein

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Die Streikfähigkeit muss auch ohne den im BAWAG-Skandal vernichteten Streikfonds gewahrt bleiben, sie hängt vom politischen Willen ab, wie die Erfahrungen anderer Länder beweisen

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Der ÖGB muss sich um seine Mitglieder überzeugend bemühen und sie zur aktiven Mitarbeit einladen

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Die heute vorherrschende Gleichgültigkeit vieler Mitglieder und das Gefühl die da „Oben“ machen was sie wollen und wir da „Unten“ werden sowieso nicht gefragt muss durch Offenheit, Ehrlichkeit und echte Interessenspolitik aufgehoben werden

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Solidarisches Denken ist zu stärken

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Eine grundlegende Veränderung der Gewerkschaftspolitik mit dem Ziel einer klaren und konsequenten  Interessenvertretung im Sinne der Lohnabhängigen ist unabdingbar

23

Betriebsversammlungen in allen Betrieben zur Diskussion und Entscheidung über die Zukunft des ÖGB und Wahl von Delegierten, welche dann auch auf Sonder- und ordentlichen Gewerkschaftstagen ihre KollegInnen vertreten sind notwendig

24

Eine verstärkte Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen wie z.B. NGOs und NPOs ist gefordert

25

Die Auswirkungen des herrschenden kapitalistischen Systems auf die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind zu thematisieren

26

Die Trennung in ArbeiterInnen, Angestellte und öffentlich Bedienstete ist aufzuheben

27

Ein Betrieb, eine Branche – eine Gewerkschaft

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Der entsolidarisierenden Schrebergartenpolitik mancher Einzelgewerkschaften und einzelner Gewerkschaftsvorsitzender ist ein wirksamer Riegel vorzuschieben

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Eine starke Gesamtgewerkschaft für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, inklusive prekär Beschäftigter und Erwerbsarbeitsloser ist das Ziel für den „ÖGB-Neu“

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Gerade jetzt wo das Kapital mit Unterstützung der Politik immer aggressiver bestehende soziale und demokratische Errungenschaften beseitigt, sind starke Gewerkschaften notwendig

31

Die Sozialpartnerschaft ist Vergangenheit. Damit schränkt man sich als Gewerkschaft selbst ein, behindert sich, nimmt sich Kampfkraft.

32

Keine sozialpartnerschaftliche Unterordnung unter Kapital- und Regierungsinteressen

33

Verhandeln "Ja!", Kompromisse um jeden Preis "Nein!"

34

Die Emanzipierung der Gewerkschaftsbewegung von Regierungen, Parteien und Sozialpartnerschaft ist notwendig

35

Parteipolitik ist zurückzudrängen

36

Anstelle eines sozialpartnerschaftlichen Ordnungsfaktors ist eine kämpferische Interessenvertretung notwendig

37

Die Gewerkschaftsbewegung braucht keine gutdotierten SozialpartnerInnen in ihren Reihen, sondern ehrliche und konsequente ArbeitervertreterInnen

38

Privilegien sind abzubauen: Diese führen zur Entfremdung von SpitzengewerkschafterInnen von der Basis

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Doppel- und mehrfache Einkommen gehören abgeschafft

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SpitzengewerkschafterInnen sollen keine Mandate in gesetzgebenden Körperschaften ausüben

41

GewerkschaftsfunktionärInnen dürfen nur einen Bezug haben, eine Bezugsobergrenze ist einzuführen

42

Die Bezügeobergrenzen für SpitzenfunktionärInnen, sind an einen Mindestlohn für ArbeitnehmerInnen zu koppeln

43

GewerkschafterInnen die politische Mandate innehaben, dürfen sich keinem Fraktionszwang unterwerfen, sondern sind ausschließlich den Interessen der ArbeitnehmerInnen und Erwerbslosen verpflichtet

44

Personelle Veränderungen sind eine wesentliche Voraussetzung für einen Neubeginn

45

Mit Leuten die die Gewerkschaften managen wollen, mit Gewerkschafts-Aufsichtsräten in der Bawag die wegschauen, mit einem Präsidium das sich nicht informiert und mit einer Kontrollkommission die nicht kontrolliert wird es keine positiven Veränderungen geben

46

Für einen konsequenten Neubeginn ist es notwendig, dass keine der derzeit dem Präsidium angehörende FunktionärInnen künftig Spitzenfunktionen übernehmen.

47 

Gerade in der heutigen Zeit brauchen die Lohn- und Gehaltsabhängigen von den Parteien unabhängige, demokratische Gewerkschaften die durch Offenheit und Basisnähe aus der Vergangenheit lernen

48

Ohne breite Einbeziehung der Basis wird es keinen Neubeginn geben

49

Nur so ist das Vertrauen der Mitglieder wieder herzustellen

50

Versammlungen in den Betrieben sind das Fundament echter Reformdiskussion

51

Der ÖGB braucht viel mehr Klassen- und viel weniger Parteipolitik. 

52

Klare gesellschaftspolitische  Positionen und das Sonderinteressen zusammenführende, solidarische Auftreten des ÖGB sind notwendig

53

Zum Beispiel das Eintreten für  Rücknahme der Pensionsgegenreform, für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, Mindestlohn und Erhaltung des öffentlichen  Eigentums vor allem in der Grundversorgung

54

Um hier eine entscheidende Veränderung herbeizuführen braucht es lebendige Demokratie im ÖGB, sowie in den Einzelgewerkschaften

55

Ohne Einbindung der Basis kommt es nur zu noch bürokratischeren Ergebnissen kommen, welche keinesfalls unseren Interessen an eine Gewerkschaft als Kampforganisation gerecht werden

56

Die innergewerkschaftliche Demokratie muss daher den höchsten Stellenwert einnehmen

57

Wie zu Beginn des ÖGB muss wieder in den untersten Einheiten in den Gewerkschaftlichen –Zahlstellen - die leider im laufe der Zeit aufgelöst wurden- und in den Ortsgruppen die Gewerkschaftspolitik diskutiert und beschlossen werden

58

Die bestehenden gewerkschaftlichen Betriebsgruppen und -ortsgruppen müssen wieder errichtet und mit gewerkschaftspolitischen Leben erfüllt werden

59

Zur Demokratie gehört auch ständige Informationen seitens der Gewerkschaftspitze, aktive Debatte und kollektive Beschlüsse, und nicht nur das passive Abstimmen an der Urne oder im Internet

60

Mehr Demokratie in den Gewerkschaften heißt für mich vor allem mehr aktive Demokratie

61

Wichtige Fragen dürfen nicht ohne Einbeziehung der Mitglieder entschieden werden

62

Mehr Möglichkeiten einer aktiven Mitbestimmung durch die Mitglieder sind zu schaffen

63

Schaffung demokratischer Gewerkschaftsstrukturen, in welchen jedes Mitglied mitbestimmen kann

64

Auf allen Ebenen sollen Mitglieder mit entscheiden können – vom Betrieb bis zur Gewerkschaft

65

Belegschaftsabstimmungen und ÖGB-weite Urabstimmungen sind notwendig

66

Das Delegiertensystem muss für alle Gewerkschaftsmitglieder offen sein und demokratisiert werden

67

Die Gremien bzw. Delegierten für Konferenzen sind von den Mitgliedern zu wählen

68

Nach KV-Verhandlungen muss es Urabstimmungen geben

69

Entscheidend für die Wahl eines/r Gewerkschafts-Funktionärs/in darf nicht das Parteibuch sein, sondern der Einsatz für die Lohn- und Gehaltsabhängigen

70

Seit seiner Gründung war der ÖGB ein von oben beherrschter und hierarchischer Bund mächtiger Männer. Frauen hatten und haben derzeit keinen annähernd so großen Einfluss - das muss sich ändernss sich ändern

71

Vermischung von Partei- und Gewerkschaftspolitik schadet der Gewerkschaft

72

Nicht alle zur Betriebsratswahl kandidierenden Listen gehören einer Fraktion an. KollegInnen, die eine solche Liste unterstützen, haben also keinen Einfluss auf die Stärke der Fraktionen innerhalb des ÖGB

73

Bisher wird die Stärke der Fraktionen auf eher geheimnisvolle und sicher nicht ausreichend demokratische Weise anhand der Ergebnisse von Betriebsratswahlen ermittelt

74

Zur Demokratisierung der Gewerkschaft gehört auch, die Fraktionen nicht als Hauptorganisationsfeld zu belassen. Schließlich führt dies zur Entpolitisierung der Gremien (Diskussionen werden durch Beschlüsse in der Mehrheitsfraktion vorweggenommen) und zum faktischen Ausschluss der größer werdenden Gruppe der fraktionsungebundenen Mitglieder und gewerkschaftlich, aber nicht in einer Fraktion organisierten Betriebsräte

75

Die unumschränkte Macht der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG),  Fraktionsabsprachen, auf lange Sicht gesehen der gesamte Fraktionismus muss abgebaut werden

76

Bis dahin ist ein Ausbau der Minderheitenrechte für die Fraktionen notwendig

77

Das Ziel muss die Überwindung der bestimmenden fraktionellen Bindung in Richtung einer tatsächlich unabhängigen Gesamtgewerkschaft sein

78

Von Regierung und Parteien unabhängige, aktive und kämpferische Gewerkschaften

79

Eine der Aufgaben moderner zukunftorientierter Gewerkschaften ist daher auch eine Strategie für ein neues Solidaritätsverständnis zu entwickeln

80

Die Gewerkschaften und der ÖGB brauchen dringendst eine völlige Demokratisierung und Transparenz der gesamten Struktur und bei allen Entscheidungen

81

Eine Strukturreform muss mit Inhalten verbunden sein

82

Der ÖGB braucht flache überschaubare Strukturen: Das Dickicht der Gremien muss entwirrt werden

83

Die Schaffung einer Gewerkschaftskultur die Diskussionen, Unabhängigkeit, Demokratie und Kontrolle in den Mittelpunkt stellt ist unabdingbar

84

Es gilt Strukturen zu schaffen, die auch „gewöhnlichen“ Mitgliedern ohne Betriebsratsmandat eine Mitsprache oder die Vertretung in Gremien ermöglicht

85

Organisationsprinzipien die  den Merkmalen der Meinungsvielfalt, der Offenheit und der direkten Kommunikation basieren sind notwendig

86

Gleichberechtigung der Frauen: Durch eine Quotierung ist dem Stellenwert der Frauen in der Arbeitswelt Rechnung zu tragen. 

87

Der Frauenanteil in allen Gewerkschaftsgremien muss zumindest dem Anteil der Frauen an der Mitgliedschaft entsprechen.

88

Prekarisierung, gestiegene Berufstätigkeit von Frauen und einen wachsender Anteil von MigrantInnen müssen den Inhalten und den Strukturen zu Grunde gelegt werden

89

Gremien sollen repräsentativ besetzt sein, also die Gesamtmitgliederzahl wieder spiegeln

90

Der Anteil der ArbeitsmigratInnen in der österreichischen Arbeitswelt muss sich auch in den Gremien des ÖGB wiederfinden

91

In allen Kontrolleinrichtungen aller Gewerkschaftsorganisationen stellen Minderheitsfraktionen und/oder fraktionslose GewerkschafterInnen die Vorsitzenden 

92

Dafür Öffnung aller Geschäftsbücher des ÖGB, seiner sämtlichen wirtschaftlichen Beteiligungen inklusive des Imperiums an Privatstiftungen und insbesondere Offenlegung aller Details rund um den Streikfonds

93

Mitgliedsbeiträge dürfen nicht für die BAWAG-Sanierung herangezogen werden, sondern dürfen nur für den laufenden Betrieb verwendet werden

94

Bei jeder Neuwahl wird zumindest 1/3 der Kontrollmitglieder ausgetauscht werden

95

Eine Urabstimmung der ÖGB-Mitglieder über die Grundzüge der ÖGB-Reform ist notwendig